Wasserschildkröten im Gartenteich

Der Gartenteich ist für viele das nonplus Ultra in der Schildkrötenhaltung. Tatsächlich profitieren die Tiere beträchtlich vom natürlicheren Nahrungsangebot und der täglichen Sonnenbestrahlung, aber die Kontrolle und das Beobachten werden dadurch erschwert. Außerdem sind nicht alle Schildkrötenarten zum Freilandaufenthalt geeignet! Tropische Wasserschildkröten kommen auch im Sommer nicht auf die richtige Betriebstemperatur, während manche nordamerikanische Arten und die Europäische Sumpfschildkröte in der Natur auch ähnliche Gegebenheiten vorfinden. Also sollte man sich zuerst genau informieren, welche Art für den Teich geeignet ist und welche eventuellen Hilfsmittel benötigt werden. Um das Optimum an Lebensqualität zu erreichen, muss man beim Bau der Freianlage einiges beachten:

Die Lage

Normalerweise sagt man, dass Teiche auch zu einem Teil beschattet sein sollen. Bei Schildkrötenteichen ist dies etwas anders: Um hohe Wassertemperaturen zu erreichen und den Schildkröten möglichst lange Sonnenbäder zu ermöglichen, muss ein Platz im Garten ausgesucht werden, zu dem die Sonne möglichst lange hin scheint(also Südlage).

Die Struktur

Seichte Uferzonen und Flachwasserbereiche ermöglichen noch schwachen Tieren im Frühjahr Luft zu holen und erwärmen sich schneller. Dies ist besonders wichtig, da im Frühjahr Tiere verenden können, weil sie nicht wie im Sommer zur Oberfläche schwimmen können,sondern an steilen Ufern abrutschen. An flachen Stellen kann die Schildkröte dann am Boden entlanggehend leicht das Ufer erreichen. An der tiefsten Stelle kann der Teich 50-60cm tief sein. Will man seine Schildkröten aber im Teich überwintern, so muss der Teich mindestens 1m tief sein, um nicht ganz zu zufrieren. Zur Teichüberwinterung ist allerdings nur Emys orbicularis geeignet, aber auch hier würde ich eine sichere Hibernation im Keller empfehlen.
Die Oberfläche des Teiches sollte nicht zu klein sein, 1-2m² sind gerade OK.

Die Gestaltung

Bei der Gestaltung des Teiches sollte man darauf achten, dass genügend Sonnenplätze vorhanden sind (zB Baumstümpfe oder Wurzeln, in der Mitte vielleicht eine Insel), aber trotzdem auch Verstecke gegeben sind. Um die Freilandsaison zu verlängern, kann man über den Teich ein Gewächshaus stellen, um höhere Temperaturen durch den Treibhauseffekt zu erzielen. Bei größeren Teichen wie Schwimmteichen ist dies natürlich nicht machbar, aber beim neu Anlegen eines Teiches kann man so etwas gut einplanen. Wenn man schon vorher einen Teich hat, in dem sonst heimische Amphibien leben, so sollte man nach eventuellen Alternativen suchen, da Kaulquappen und Laich eine beliebte Abwechslung im Futterplan der Schildkröten darstellen. Rund um den Teich sollte eine art Absperrung vorhanden sein, da Schildkröten gerne auf Wanderschaft gehen und dann in den seltensten Fällen zurückkommen. Ist dies aufgrund der Teichgröße nicht möglich, so sollte wenigstens der Gartenzaun ausbruchsicher sein (auch vor Untergraben schützen - min. 10cm tief in der Erde!). Vorallem bei kleineren Schildkröte ist ein Netz über dem Teich günstig, da Katzen oder Marder gefährliche Räuber für Schildkröten bis ca. 15 cm sind. Zudem ist ein Netz im Herbst praktisch zum Abfangen von Laub.


Flora und Fauna im Teich

Die meisten Wasserschildkrötenarten fressen zum Großteil Fleisch in Form von Fisch, Muscheln, Schnecken und Insekten. Im Gartenteich werden also hauptsächlich Tiere gefressen, die uns im Grunde nicht stören wenn sie fehlen, wir aber ihre Population im Auge behalten sollten. Fische werden nur gefressen, wenn sie zu langsam oder zu schwach sind, eine Wasserschildkröte ist nie dazu im Stande, einen gesunden Teichfisch zu fangen. Pflanzen müssen robust sein, denn sie werden zumindest angeknabbert oder Misshandelt, manchmal auch gefressen. Deshalb sollten sie nicht giftig sein. Informieren beim Blumengeschäft/Internet hilft hierbei. Ein Faktor, der bei den Pflanzen wichtig ist: Sie übernehmen zum Teil die Filterrolle des Außenfilters im Aquarium, also besser zuviel davon, als zuwenig! Die Pflanzen sind außerdem ein wichtiger Schattenspender und regulieren somit die Wassertemperatur, weiters verstecken sich Schildkröten gerne zwischen Blättern.

Geeignete Arten:

Nicht alle Wasserschildkröten sind für den Aufenthalt im Freien im mitteleuropäischen Raum geeignet. Ein Teich kann nicht das Innenterrarium ersetzen, welches im Herbst und im Frühjahr oder zur Überwinterung gebraucht wird. Daher sollte man sich den Kauf einer reinen Teichschildkröte überlegen und ihr auch im Haus einen Platz frei machen. Vorallem in den Monaten von Februar/März bis Mai und September bis November sind die Temperaturunterschiede von den USA zu unseren Mitteleuropäischen so groß, dass ein beheiztes Becken unerlässlich ist. Wieso Nordamerika? Weil die meisten für den Teich geeigneten Arten von dort kommen. Hier einige Vorschläge für im Gartenteich haltbare Wasserschildkröten:

Sternotherus odoratus: Diese Schildkröten werden nicht so groß (ca. 10-15cm) und sind für Schildkröten recht flexibel, da sie sich auch manchmal am Ufer eingraben. Leider leben sie aber sehr versteckt und man wird nicht viel von ihnen sehen, außer man taucht gerne Nachts im Gartenteich.
Trachemys scripta sp.: Für den Sommer durchaus geeignet, aber im Frühjahr muss man sich etwas einfallen lassen, damit die Wassertemperaturen und Lufttemperaturen passen.
Chrysemys picta bellii Diese Art kommt bis nach Kanada vor, ist also sehr gut für den Gartenteich geeignet. Kalte Winterruhe ist zu empfehlen.
Chelydra serpentina Von den 4 Unterarten ist die Nördlichste auch für unsere Breiten geeignet. Wegen ihre Größe und Aggressivität ist eine Haltung dieser Schildkröte weniger ratsam für Anfänger, für erfahrene Halter ist dies sicher eine interessante Art.
Emys orbicularis Diese Schildkröte kommt auch in Mitteleuropa vor und ist deshalb am besten an unsere Verhältnisse angepasst. Bei genügender Teichtiefe könnte man sie auch ganzjährig im Teich halten, die kontrollierte Hibernation ist aber besser. Für diese Art sind flache Ufer besonders wichtig, da es oft zum Tod durch ertrinken kommen kann, sollte ein Tier noch zu Klamm sein, um zur Wasseroberfläche laufen zu können. Besonders im Frühjahr und Herbst ist hier Vorsicht geboten.
 

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